Puchheim, der vergessene Stadtteil?
Ob Kellerbühne, Maximilianhaus, Marienbasilika, Auwald, Gasthäuser oder Nahversorgung: Puchheim bietet seinen Bewohnern wirklich viel. Trotzdem erreichen die ÖVP Attnang-Puchheim immer wieder erboste oder sogar verzweifelte Briefe und E-Mails.
Vandalismus macht den Puchheimern schwer zu schaffen. Von eingeschlagenen Laternen über zertretene Gartenzäune bis hin zu Graffitiverschandelungen reicht die Zerstörung.
“Mehr Polizei muss her!”, so lautet die spontane Forderung. Und es besteht auch gar kein Zweifel, dass die zerstörerischen Kräfte mit verstärkter Überwachung vertrieben werden können. Aber eben nur vertrieben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit tauchen die Vandalen dann in anderen Ortsteilen wieder auf. Auf lange Sicht ist es nötig, direkt in Puchheim dafür zu sorgen, dass den Vandalen der Nährboden entzogen wird.
Ist Puchheim ein Stadtteil zweiter Güte?
Wenn man über die möglichen Ursachen der Zerstörungswut nachdenkt, fällt auf, an wie vielen Fronten der Ortsteil Puchheim vernachlässigt und desolat wirkt:
- Das Ensemble des Schlosshofs kontrastiert zwischen perfekt renovierten Teilen und einem Trakt, der kaum mehr als eine Ruine ist: Morsches Bauholz und bröckelnde Fassaden bilden die Kulisse für Open-Air-Konzerte, Weihnachtsmärkte und Familienfotos nach der Firmung.
- Der Stiegenabgang zu den Puchheimer Teichen über den ***Hans-Wessenthaler***-Weg erinnert mehr an den Steig hinauf in die Eisenau. Gutes Schuhwerk und Trittsicherheit sind nötig, um den Zugang zum Naherholungsgebiet Nummer 1 unserer Stadt gefahrlos zu bewältigen.
- Kein weiteres Wort muss man eigentlich über den Zustand des ***Bundessaals Puchheim*** verlieren. Nur soviel: Den Schülern der Puchheimer Schule zeigt man am Nachbargebäude schon in ganz jungen Jahren plakativ, dass Puchheim dem Verfall ausgeliefert sein soll.
Alle diese Beispiele über den Umgang mit öffentlichen, historisch teilweise bedeutungsvollen Gebäuden findet man in Puchheim während eines viertelstündigen Spaziergangs. Alle diese Gebäude sind im Besitz der Stadt Attnang-Puchheim, die ihr Eigentum seit Jahrzehnten verfallen und verkommen lässt.
Sozialer Druckkochtopf Puchheim
Als Folge der Bebauungspolitik, welche sich die personell hochgradig ver- flochtene Zweckgemeinschaft aus ***Wohnbau Hausruckviertel GWG*** und SPÖ Attnang-Puchheim ausgedacht hat, verändert sich Puchheim zu einem sozialen Druckkochtopf. In den rasend schnell hochgezogenen und mit jungen, kinderreichen Familien voll gestopften Sozialbauten auf dem Schlossfeld im ehemals beschaulichen Puchheim wächst eine junge Generation heran, die Aggressionen gegen die Enge und Frust entwickelt. Experten sind sich einig: Enge Wohnverhältnisse führen zu radikalen Ausbrüchen. Entlädt sich dieser Druck dann gegen die beengende Umgebung, folgen Zerstörung und Gewalt.

Sind die Vandalen im Recht?
Natürlich nicht. Aber der Umgang der Stadt mit Puchheim liefert ihnen eine Steilvorlage für den Umgang mit den öffentlichen Einrichtungen in Puchheim.
17. Mai 2009
